„Der Internationale Tag gegen Rassismus findet am 21. März statt, weil an diesem Tag im Jahr 1960 das Massaker von Sharpeville (Südafrika) verübt wurde. “ © picture-alliance/United Archives/TopFoto

Seinen historischen Ursprung verdankt der Antirassismustag (ART) einer gewaltsam aufgelösten Demonstration in Südafrika während der Apartheid. Zur Zeiten der Apartheid sah sich die schwarze Bevölkerung Südafrikas mit vielerlei gesetzlicher Diskriminierung konfrontiert. Dazu gehörten auch die sogenannten Passgesetze: Jene sahen nämlich vor, dass der schwarze Teil der Südafrikaner*innen nur in extra für sie vorgesehenen Gebieten außerhalb der Innenstädte leben durten, die sogenannten Townships. Da die südafrikanische Wirtschaft jedoch auf die billigen Arbeitskräfte angewiesen war, durften sich die Schwarzen mit einem Pass, welcher einer Genehmigung gleichkam, in den jeweiligen „weißen“ Gebieten, jedoch nur während ihrer Arbeitszeit, aufhalten.

Genau gegen diese diskriminierende Gesetzgebung richtete sich die Demonstration, wobei die ca. 20.000 Teilnehmer*innen weitgehend friedlich demonstrierten. Die südafrikanische Polizei orderte militärische Kampfflugzeuge, welche tief über der Demonstration flogen, an und ging mit Tränengas sowie Schlagstöcken gegen die Protestierenden vor. Kurze Zeit gab ein Polizist den Befehl zum Schießen; 69 Menschen starben, bis zu 300 weitere wurden verletzt.

Als Reaktion auf dieses Massaker an der Bevölkerung, wurde der 21.März durch die UN zum „Internationalen Tag gegen Rassismus“ erklärt.

55 Jahre später und 9.000 Km weiter – Rassismus in Deutschland

Der Rassismus hat heute vielfältige Formen angenommen und ist weitaus mehr als nur ein Randphänomen von glatzköpfigen „Ostdeutschen“, welche Migrant*innen und Linke totschlagen. Wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft Opfer schikanierender Polizeikontrollen werden (Racial Profiling), dann ist das auch Rassismus. Die Verfechter*innen jener menschenverachtenden Praktiken ziehen oftmals Kriminalstatistiken zur Hilfe, um das Bild des gewaltbereiten Fremden als Ursache für die Personenkontrollen darzustellen. Das jedoch in den jeweiligen Berichten selbst der Zusatz steht, dass die „Daten […] nicht mit der tatsächlichen Kriminalitätsentwicklung gleichgesetzt werden [können].“ und „Sie […] auch keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu-[lassen]“, wird gerne übersehen(1). Das liegt zum einen daran, dass viele Straftaten von „Deutschen“ gar nicht begangen werden können (Asylrechtsverstoße ect.) oder an „selektiven Anzeigeverhalten [der Deutschen]“, denn „so werden z.B. türkische Straftäter um 18% und ex-jugoslawische um 26% häufiger angezeigt als deutsche Straftäter (Mansel/Albrecht 2003)“ (2).

Quelle: rassismus-toetet-leipzig.org

Statistiken werden auch über die Opfer rechter Gewalt geführt und dies mit ziemlich unterschiedlichen Ergebnissen. Laut den Zahlen der Bundesregierung starben seit der Wiedervereinigung 60 Menschen aufgrund rechter Gewalt (3). Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung zählen bis zu 184 Todesopfer (4). Nach Bekanntwerden der rechten Terror- und Mordserie des NSU im Jahre 2011 überprüften die deutschen Behörden erstmals 3.300 „nicht aufgeklärte Tötungsdelikte zwischen 1990 und 2011“ und kamen zum Ergebnis, dass „in 746 Fällen mit insgesamt 849 Opfern ein rechtsextremes Tötungsmotiv nicht mehr ausgeschlossen werden kann“ (5). „Unter diesen Fällen sind auch 137 Fälle der recherchierten ‚Opferlisten’“(6).

Im letzten Jahr kam es in Deutschland zu 153 Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, davon waren 77 tätliche Angriffe. (7) Statistisch kam es im vergangenem Jahr also an 2 von 5 Tagen zu Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte.

Rassismus als Mittel zur sozialen Spaltung

Der Rassismus, so wie wir ihn heute kennen, ist untrennbar mit der Sklaverei und Kolonialisierung der heutigen „3. Welt“ verbunden und somit mit den ersten Schritten des Kapitalismus. Denn die Unterdrückung und Versklavung der Afrikaner*innen sowie der indigenen Bevölkerung Amerikas (Nord und Süd) wurde eben durch Vorurteile legitimiert. Die Versklavten müssten zivilisiert werden, denn ihnen mangele es an religiösen Werten. Aus der anfänglichen „kulturellen Unterlegenheit“ wurde im Laufe der Zeit eine biologische gemacht (8).

Heute wird Rassismus nicht mehr genutzt, um die Versklavung von Dritten zu rechtfertigen, sondern als Mittel zur Spaltung der Belegschaften innerhalb eines Staates sowie im globalen Kontext. Durch Rassismen lassen sich schnell Menschen finden, die „nicht dazu gehören“, welche „Arbeitsplätze wegnehmen“ und sich auf dem Rücken der Steuerzahler*innen ein schönes Leben machen. Dass die Arbeiter*innen die gleichen Interessen haben, verschwinden so allmählich aus der Wahrnehmung und statt gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, wird gegen die Kollegen und Kolleginnen mobil gemacht. In den neuen Bundesländern, in welchen oftmals eine wesentlich höhere Arbeitslosenquote vorherrscht, ist die Angst vor dem Fremden und des Verlustes des eigenen Jobs durch eben jenen wesentlich höher, als in den alten Bundesländern, in welchen eine niedrigere Arbeitslosigkeit vorhanden ist. Auch ist hinlänglich bekannt, dass ca. drei Mal so viele rechte Übergriffe im Osten vorkommen als im Westen (9). Dieser Zusammenhang ist weder temporär, noch örtlich begrenzt (siehe Sklaverei, Nazi-Deutschland…). Überregional betrachtet lässt sich das Ganze anhand der Berichterstattung über Griechenland demonstrieren: Seit Jahren wird „der Grieche“ derart diffamiert, dass einem Sehen und Hören vergehen. „Sie“ seien allesamt faul, würden nicht arbeiten wollen, dabei über ihrere Verhältnisse leben, überdurchschnittlich früh in Rente gehen und das alles auf Kosten deutscher Steuern

Dass die griechischen Arbeit*innen wesentlich weniger Urlaub machen, später in Rente gehen, weniger Rente beziehen und mehr arbeiten als ihre deutschen Kollegen*Innen, wird gerne verschwiegen (10).

Der Ärger und die Wut der arbeitenden Bevölkerung wird somit in andere Bahnen gelenkt, statt die Verursacher*innen und Profiteur*innen der Krise zu bestrafen, werden die Arbeiterklassen anderer Staaten in die Täterrolle gepresst.

Quellen:

  1. – Polizeiliche Kriminalstatistik, 2013, Seite, 113 http://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/2013/pks2013Jahrbuch,templateId=raw,property=publicationFile.pdf//pks2013Jahrbuch.pdf
  2. https://www.uni-iegen.de/phil/sozialwissenschaften/soziologie/mitarbeiter/geissler/ueberblick_1_08.pdf – Seite 4
  3. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-05/kriminalitaet-extremismus-terrorismus-statistik
  4. http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer-rechtsextremer-und-rassistischer-gewalt-seit-1990/
  5. http://www.migration-info.de/artikel/2014-01-16/rechtsextremismus-746-toetungsdelikte-werden-rechtes-tatmotiv-untersucht
  6. ebd.
  7. http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/klima_der_angst_rassistischer_gewalt_und_hetze_gegen_fluechtlinge_in_2014/
  8. Vgl.: Schwarzes Amerika: Eine Geschichte der Sklaverei, S. 13
  9. www.bpb.de/gesellschaft/migration/afrikanische-diaspora/59407/afrikaterminologie?p=all
  1.  http://www.fr-online.de/schuldenkrise/griechenland-faul-oder-fleissig–der-faktencheck,1471908,8586736.html