DSC_0099Am letzten Samstag fand in  Remagen, wie auch schon in den Jahren zuvor, ein Trauermarsch von Neonazis statt, die den deutschen Toten in den alliierten Kriegsgefangenenlagern nach der Befreiung gedenken wollten.

Die Nazis behaupten, das statt der offiziellen Zahlen von 5.000 bis 10.000 deutsche Kriegsgefangene durch Krankheit, systematisch über eine Millionen Menschen in den Rheinwiesenlagern umgebracht worden wären.
Diesem Geschichtsrevisionismus stellten sich dieses Jahr auch wieder mehrere Aktionen und Gruppen entgegen. Viele dieser Gruppen reisten von außerhalb an, auch die SDAJ Köln war dabei. Gemeinsam mit ca. 500 anderen Antifaschisten begann die Demonstration vom Hauptbahnhof aus und führte vorbei an dem jüdischen Friedhof, an dem eine Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus abgehalten wurde. Danach ging es weiter zu Fachhochschule, die ganz in der Nähe des Zielpunkts des Nazimarschs war. Jenes Ziel war die sogenannte schwarze Madonna, die von einem Mitglied der NSDAP, Adolf Wamper, entworfen wurde.
An der Fachhochschule fand auch die Veranstaltung Remagen Nazifrei statt, bei der Reden gehalten und Musik gespielt wurde. Der Veranstaltungsort lag genau an der Route, die die Nazis entlang marschieren wollten. Da es vielen nicht ausreichte den Naziaufmarsch nur zu stören, wurde kurzum versucht querfeldein und durch ein Wohngebiet auf die Route der Nazis zu gelangen um sich dem öffentlich praktiziertem Geschichtsrevisionismus in den Weg zu stellen. Kaum war der Plan der großen Gruppe für die Polizei sichtbar fuhr sie schwere Geschütze auf. Das komplette Wohngebiet wurde abgesperrt, Demonstranten mit Pfefferspray und Knüppeln verjagt und ein Helikopter zur Überwachung der ca. 100 Menschen in die Luft gebracht. Nach mehreren erfolglosen Versuchen auf die Route zu gelangen begab man sich zurück zu der Kundgebung „Remagen Nazifrei“ an der FH. Kurz danach kamen die Nazis auch schon auf dem ihrem Weg zur schwarzen Madonna an der Gruppe vorbei. Die Polizei, die schon vor dem unmittelbaren auftauchen der Nazis in Großgruppen vor den demonstrierenden Menschen aufmarschiert war, trat von vornherein sehr aggressiv auf. Es waren Sondereinheiten aus Bayern, die ohne die in Rheinland-Pfalz eigentlich vorgeschriebene sichtbare Dienstnummer aufmarschierten.

Als die ca. 130 Neonazis vorbeizogen schlug ihnen von den ca. 600 Gegendemonstranten enorme verbale Gegenwehr entgegen. Vereinzelt wurden auch Obst, Eier und Feuerwerkskörper in Richtung des Zuges geworfen. Die wenigsten davon erreichten ihr Ziel. Genau diese „Angriffe“ nahmen allerdings die Polizei als Rechtfertigung, um brutal gegen die Demonstranten zu knüppeln. Mehrere Polizeitrupps stürmten auf die Absperrung zu und drohten mit Gewalt falls man sie nicht herüberkommen ließ. Gewalt in Form von Schlagstöcken, Fäusten und Pfefferspray setzen sie dann ohnehin ein, als sie über den Zaun gelangten. Erwähnenswert ist, dass schon vor den Auseinandersetzung einzelnen gerüstete Einheiten am Ende der Absperrung über den Zaun kletterten und das der Nazizug schon außer Reichweite war als die Polizei losknüppelte, was eine Rechtfertigung dieses gewalttätigen Einsatz auf noch dünneres Eis setzt.

Die Demo wurde von den Veranstaltern daraufhin abgebrochen. Nach weiteren Störversuchen von Antifaschisten gegen die Gedenkveranstaltung machten die Nazis den Anschein abzuziehen, was die verschiedenen Gruppen veranlasste durch in die Stadt zurück zuziehen und wie schon auf dem Hinweg auf die Naziroute zu gelangen. Andere Gruppen versammelten sich erneut an der FH um mit dem Lautsprecherwagen zurück zum Bahnhof zu ziehen. Nachdem es am Ende nochmal gelang sich mit 30 Leuten den Nazis auf einige wenige Meter zu nähern und sie mit unsanften Worten und dem Versprechen, dass sie nirgends ohne Gegenwehr auftauchen können nach Hause schickte vereinigte sich der Großteil der Demo erneut am Hauptbahnhof.
Die linke Demo wurde dann von der Polizei für über eine Stunde gekesselt während die Nazis angeblich unter Geleit nach Hause fahren durften.
Nachdem die Polizei den Kessel teilweise noch ein gutes Stück enger gemacht hatten wurde auch den Antifaschisten der Abzug gewährt.
Leider war das nicht die letzte Aktion an diesem Tag, da eine Gruppe von Nazis auf dem Weg nach Koblenz noch Rückreisenden Gegendemonstranten auflauerte.

Auch dies ist ein Ausdruck der völlig abstrusen Polizeiarbeit an diesem Tag, die mal wieder gezeigt hat, dass linker Protest kriminalisiert und rechter Kult geschützt wird. Auch wenn der Trauermarsch an diesem Wochenende nicht verhindert werden konnte, so wurde doch ein starkes Zeichen gesetzt, dass Nazis keinesfalls frei und ohne Angst ihrer Gesinnung zur Schau stellen können.