homeKöln wollte sich wehren und hat dies auch getan. Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche haben sich am vergangenem Sonntag in der Kölner Innenstadt zusammengefunden, um eine Antwort auf die wachsende rechte Bewegung in Deutschland zu geben und diese Antwort war klar antifaschistisch. „Köln bleib tolerant“ oder „Kein Platz für Rassisten“ war auf vielen der mitgebrachten Schilder und Transparenten zu lesen. Die bunt gemischte und zu jeder Zeit friedlich verlaufende Demonstration war lautstark in der gut gefüllten Innenstadt unterwegs und skandalisierte die rechte Gewalt der sogenannten „HoGeSa“, welche eine Woche zuvor für viel Furore und wenig Zustimmung in der Kölner Bevölkerung gesorgt hatte. Die gehaltenen Redebeiträge wurden zustimmend aufgenommen und reflektieren die Gewalt der Neonazis sowie den Rassismus innerhalb unserer Gesellschaft, aber auch die Ursachen die die Entstehung rechtsradikalen Gedankengutes begünstigen.

Islamkritik oder doch Rassismus?

Am 26.10.14 kam es in Köln zu der gewalttätigsten und größten Machtdemonstration rechter Kräfte in Deutschland seit Jahrzehnten. Knapp 5000 Faschisten aus ganz Deutschland hatten sich auf dem Breslauerplatz zusammen gerottet um, unter dem Deckmantel der Kritik an Salafisten, antimuslimischen Rassismus und antilinke Propaganda zu hetzen. Dies mit einer Gewalt, die über die Grenzen Deutschlands hinaus für Erschrecken und Verwunderung gesorgt haben. Wie kann es sein, dass ausgerechnet in Deutschland Rechte Gewalttäter derart erstarkt sind und auf öffentlicher Straße wieder „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ gerufen wird?
Hooligans – mehr als Idioten?
Viele machen sich die Erklärung der Vorkommnisse in Köln leicht und verweisen auf das tumbe Wesen des Hooligans, als Versager und alkoholsüchtigem Deutschtümler, der seine Kritik gegen Ausländer formuliert, weil er eben dumm ist und nichts taugt. Von Satire Sendung wie der „Heute Show“ bis hin zu unserem Bundespräsidenten, der ja gesagt hat, dass die NPD ein Haufen Idioten ist, ist es beinahe Konsens,dass es halt Faschisten gibt, weil es eben dumme Menschen gibt.
Natürlich sind Faschisten Arschlöcher, aber sie einfach als Idioten abzustempeln verfehlt nicht nur den Kern der Sache sondern erfasst in keinster Weise die Tragweite von dem Rassismus wie er heutzutage wieder in Deutschland zu finden ist.
Wie also kann es sein, dass 5000 Faschisten sich in einer Stadt treffen, die eigentlich als einer der offensten und buntesten deutschen Großstädte gilt?
Das diese große Anzahl an Menschen dauerbesoffene Krawallidioten sind, die einmal zu oft die ganze Nationalhymne gehört haben ist in unseren Augen keine zufriedenstellende Analyse.
Das ein großes Treffen und ein gewaltiges Netzwerk, welches hinter der HogeSa steht nicht über Nacht und zufällig auftritt sollte jedem klar sein. Auch das gewaltige Mobilisierungspotential der Szene ist nicht von heute auf morgen gekommen.
Den Ausschreitungen in Köln gehen bestimmte gesellschaftliche Prozesse voraus, die in Deutschland eine rassistische Grundstimmung geschaffen haben, so das diese wieder salonfähig ist.

Rassismus – Phänomen ohne Ursache?

Der Rassismus wird in Deutschland gleich auf mehreren Ebenen sichtbar. Das gefährliche dabei ist, dass besonders dieser sichtbare Rassismus, dafür sorgt, dass er weiter in die Mitte der Gesellschaft gelangt und zur Normalität, zur vermeintlich legitimen Meinung wird.
Besonders die deutschen Medien haben in den letzten paar Jahren vor allem mit Hetze gegen den Islam zur Verbreitung des antimuslimischen Rassismus beigetragen. Immer wieder wurden Klischees auf ganze Volks und Religionsgruppen ausgeweitet, von einer Islamisierung gesprochen und die weltweite Bedrohung durch den Islam gepredigt. Dies hat bereits Züge einer geistigen Mobilmachung der Gesellschaft, die eigentlich Kriegseinsätzen kritisch gegenübersteht.
Desweiteren schwieg die Presse oft bei rassistischen Übergriffen. Immer wieder kommt es zu Angriffen gegen dunkelhäutige Menschen, die weder von der Polizei noch von der breiten Masse der Medien als rassistisch eingestuft wurden. Auch durch solch fahrlässiges Verhalten wird eine Normalisierung von rassistischen Gedankengut und eine Kultur des wegschauens erzeugt. Die Presse versagt als sogenannte vierte Kraft der Demokratie. Ihre eigentliche Aufgabe über Politik aufzuklären und unabhängig zu berichten kommt sie größtenteils nicht nach, obwohl die durchaus von Nöten wäre.
Rassistische und Antiziganistische Wahlkampfaussagen zu machen um am rechten Rand zu fischen sind schon lange ein normales Mittel von Parteien wie AfD, CDU und CSU. Auch homophobe und sexistische Klischees werden bemüht um möglichst viele Stimmen zu erlangen.
Aber nicht nur im Wahlkampfgeplänkel kommen vermehrt rassistische Worte und Gedanken zum Vorschein. Die jüngste erneute Verschärfung der Asylgesetze von CDU, SPD und Grünen macht mehr als deutlich, dass eine ekelhafte rassistische Spaltungspolitik auch schon bei vermeintlich linken Parteien angekommen ist.
Das wir in Deutschland ein Problem mit Rassismus haben wird jedoch vor allem deutlich wenn man sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt anschaut. Noch immer ist es so, dass viele Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund auf Grund eines ausländisch klingenden Namen abgelehnt werden. Sehr zur Verbreitung von Vorurteilen gegen Ausländer trägt auch die Outsourcing Politik vieler Unternehmen bei, bei denen der Belegschaft in Deutschland ganz offen und unverhohlen gedroht wird abzuwandern und sie gegen Menschen auszutauschen die für noch weniger bereit sind zu arbeiten. Hier wird bewusst das Feindbild vom Ausländer stirilisiert, der dem Deutschen seinen Job wegnimmt. Viele fallen auf diese verkürzte und falsche Kapitalismuskritik, die den Unterschied zwischen den Völkern hervorhebt um den Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital zu verschleiern.

Es sind Unternehmer wie Heinrich Weiss (Aufsichtsratschef des Maschinenbauers SMS Group) oder Hans Wall (Gründer des gleichnamigen Außenwerbers) die Parteien wie die AfD öffentlich unterstützen und so Rassismus in der deutschen Bevölkerung wieder salonfähig machen. Selbst in der SPD haben Menschen ihren Platz, die öffentlich gegen Muslime hetzen. Wie man an der Ablehnung des Ausschlusses von Thilo Sarrazin aus der SPD, durch die Berliner SPD-Landesschiedskommission mitverfolgen konnte.

Rassismus ist und bleibt stärkster Spaltungsmechanismus!

Da wo Faschismus und Fremdenfeindlichkeit in das Denken der Bevölkerung gelangen, da wird ein Widerspruch konstruiert, um die Einigkeit derer zu brechen, die das Subjekt einer Umwälzung sein könnten: der arbeitenden Menschen dieser Erde. Beispielsweise haben die in Deutschland beschäftigen ArbeitnehmerInnen der DHL mit ihren in der Türkei arbeitenden KollegenInnen mehr gemeinsam, als die jeweiligen Belegschaften mit ihren inländischen Vorgesetzten.
In diesem konkreten Fall war das der deutschen DHL-Belegschaft im vergangenem Jahr klar, als sie ihre ArbeitskollegInnen in der Türkei bei ihren gewerkschaftlichen Aktivitäten mit u.a.Unterschriftensammlung und gewerkschaftlichen Delegationen bei ihren Forderungen unterstützten. Schlussendlich gingen die ArbeiterInnen in der Türkei siegreich aus diesem Kampf hervor. Solange die ArbeiterInnen der selben Branche in verschiedenen Nationen sich der Standort-Logik ihrer Vorgesetzten unterwerfen und mit dieser Prämisse weiterhin in gewerkschaftliche Kämpfe gehen, werden alle ArbeiterInnen im globalen Auktionshaus frei nach dem Motto „Wer machts für weniger Geld?“ gegeneinander ausgespielt werden.
Der Rassismus in den Köpfen der Menschen dient im Endeffekt den Kapitalisten, die deswegen auch keinerlei Interesse daran haben gegen eben jenen vorzugehen.

 

WIR STELLEN UNS GEGEN EINE GESELLSCHAFT IN DEM MENSCHENVERACHTENDE POLITIK BETRIEBEN WIRD UM PROFIT ZU MACHEN.

Deshalb fordern wir:

– Verbot und Zerschlagung von allen faschistischen Organisationen, Parteien und ihren Tarnorganisationen!

– Keine Kriminalisierung von antifaschistischem Widerstand – Verbot von faschistischen Aufmärschen!