10443201_783220921708945_3445585206003816921_oAm Freitag, den 18.07.2014, haben sich auch in Köln auf dem Roncalliplatz tausende Menschen versammelt, um gemeinsam unter dem Motto „Stoppt die Bombardierung Gazas – Für ein Ende der Eskalation im Nahen Osten“ für Frieden zwischen Israel und Palästina zu demonstrieren. Veranstalterin waren Die Linke.SDS und die palästinensische Gemeinde in Köln. Diese sowie weitere politische Gruppen, unter anderem die Linkspartei und DIDF, forderten in einigen Redebeiträgen die sofortige Einstellung der militärischen Aktionen der israelischen Regierung gegen die Bevölkerung in Gaza und die Anerkennung des palästinensischen Staates vor allem durch die Europäische Union – jedoch problematisierten sie auch den öffentlichen Diskurs zwischen Kriegsgegnern und die Diffamierungsversuche von Kriegsbefürwortern.

Die wesentlichen Bedenken in dieser Debatte sind eine mögliche Unterwanderung der europaweiten Friedensproteste durch antisemitische Gruppen wie Neonazis und fundamentalistische Muslime. Dass diese Bedenken alles andere als aus der Luft gegriffen sind, hat in den vergangenen Tagen vor allem ein Bericht aus Berlin gezeigt, nach welchem auf einer Kundgebung lautstark „Jude, Jude, feiges Schwein – komm‘ heraus und kämpf‘ allein“ skandiert wurde.

Im vollen Bewusstsein über diese Gefahr stand in Köln seitens der VeranstalterInnen und sämtlicher Redebeiträge tatsächlich aber eine Nachricht im Vordergrund: Hier geht es nicht um einen Konflikt zwischen Religionen, sondern um eine Frage von Kolonialismus und Besatzung. Nicht der jüdische oder der muslimische Glaube werden einander gegenübergestellt, sondern westliche und israelische Aggressionen gegenüber dem palästinensischen Staat. Dies war auch dem weit größten Teil der DemonstrationsteilnehmerInnen bewusst; nebst überwiegend palästinensischen Nationalflaggen wurden massenhaft Schilder hochgehalten, auf denen „Du musst kein Moslem sein, um für Gaza einzustehen. Es reicht, Mensch zu sein“ oder „Keine Sympathien für Zionisten und Hamas – Sympathie für Menschlichkeit“ zu lesen war. Nichtsdestotrotz waren in Teilen ebenfalls saudi-arabische sowie türkische Nationalflaggen zu sehen, während „Free Gaza! Free Palestine!“-Rufe des öfteren durch antiisraelische Parolen und „Allahu akbar“-Rufe gestört wurden. Die VeranstalterInnen verurteilten dieses Verhalten öffentlich und betonten, dass dies der palästinensischen Friedensbewegung nicht helfen, sondern schaden würde.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Kundgebung konnten wir festhalten, trotz nicht unwesentlicher Störversuche eine aufrichtige, lautstarke und internationalistische Friedenskundgebung unterstützt zu haben. Eine Problematik, die an dieser Stelle allerdings angesprochen werden und zwischen organisierten linken Kräften diskutiert werden muss, ist die enorme Präsenz von fundamentalistischen Religionsanhängern, die selbst eine angekündigte Schweigeminute für die Opfer des Nahostkonflikts in jüngerer Zeit untergraben haben, weil sie nicht in ihr Glaubensbild passte. Nichtsdestotrotz ist die Teilnahme fortschrittlicher linker Organisationen an solchen Kundgebungen unbedingt erforderlich, um koordiniert für Frieden einzustehen und denjenigen, die versuchen, solche Veranstaltungen für antisemitische Propaganda zu nutzen, etwas entgegenzuhalten. Jegliche Inhalte der palästinensischen Gemeinde in Köln grenzten klar vom Antisemitismus ab und richteten sich vordergründig gegen die imperialistischen Aggressionen des Staates Israel – ausdrücklich nicht gegen die jüdische Bevölkerung.

Offen propagandistisch hingegen gestalten sich die im Internet kursierenden Diskreditierungsversuche vor allem seitens Kriegsbefürworter, antimuslimischer Rassisten und dem antideutschen Spektrum, welche versuchen, die weltweite Friedens- und Solidaritätsbewegung für Palästina zu verunglimpfen. Einige solcher Gruppierungen verfolgen eine opportunistische Profilierung rein zum Zwecke der Oppositionsbildung, während andere eine gezielte Diffamierung der Friedensbewegung durch falsche Berichterstattung und böswillige Propaganda versuchen. Dies wirkt vor dem Hintergrund der mittlerweile hunderten Toten und tausenden Verletzten, vordergründig in Gaza – aber auch in Israel, sehr makaber. Mit welchen Methoden solche Gruppen dabei vorgehen, kann im Demonstrationsbericht aus Essen nachgelesen werden:

http://news.dkp.de/2014/07/die-friedensdemo-in-essen-eine-klarstellung/