Begonnen hatten die Proteste in der Türkei als Proteste gegen den geplanten Bau eines Einkaufszentrums am Taksim-Platz, diesem Einkaufszentrum hätte der Gezi-Park, der letzte allen Menschen zugängliche Park, weichen müssen. Den friedlichen Protesten gegen dieses geplante Vorgehen begegnete die Polizei mit aller Härte.

Nach mehrtägiger Konfrontation zog sich die Polizei vom Taksim-Platz, der durch die großen Demonstrationen am 1. Mai bekannt ist, zurück. Der Ministerpräsident Tayyip Erdoğan forderte ein sofortiges Ende der Proteste, gestand allerdings ein, dass die Polizei in einigen Fällen „extrem“ reagiert habe.

Die Rufe nach dem Rücktritt von Erdoğan werden immer lauter, ebenso wie die Proteste. Zehntausende zogen bereits Samstag demonstrierend über die Bosporus-Brücke (Boğaz Köprüsü).

 

382229_10151609271478941_1936010276_n

„Wir haben keine Regierung, wir haben Tayyip Erdoğan“, sagte Koray Caliskan, ein Politikwissenschafter an der Bosporus Universität in Istanbul. Dies sei der Anfang eines Sommers des Unmuts. „Es geht nicht mehr nur um Bäume“, sagte der 18-jährige Student Mert Burge. „Es geht um den Druck, der von dieser Regierung ausgeübt wird. Wir haben die Schnauze voll. Die Richtung, die dieses Land einschlägt, gefällt uns nicht.“

Auch in Deutschland finden mittlerweile täglich überall Kundgebungen und Demonstrationen zum Bekunden von Solidarität mit den Protesten in der Türkei statt. So auch in Köln-Mülheim, wo am Wiener Platz heute, am 03.06.2013, zunächst eine Kundgebung abgehalten wurde, die dann in eine kraftvolle Spontan-Demonstration durch das Veedel überging. Immer wieder reihten sich Menschen vom Straßenrand in die Demo ein und fielen ein in Chöre und Sprechgesänge: „Fasizme karsi omuz omuza!“ (Schulter an Schulter gegen den Faschismus!),  „Türkiyede doğdu,
ABD’li oldu, Obamanın oğlu: Tayyip Erdoğan, Tayyip Erdoğan!“ (In der Türkei ist er geboren, Amerikaner ist er geworden, Sohn von Obama, Tayyip Erdoğan, Tayyip Erdoğan!“ und „Hoch die internationale Solidarität!“ schallten immer wieder durch die Straßen.

Auch wir als SDAJ waren dort und durften eine kurze Rede halten:

Liebe Kölnerinnen und Kölner, liebe Freunde, liebe Genossen!

Ich stehe heute hier für die SDAJ Köln-Ost und zuallererst möchte ich unsere uneingeschränkte Solidarität mit den arbeitenden und kämpfenden Menschen vor allem in der Türkei, aber auch in Spanien, Griechenland und in ganz Europa, in der ganzen Welt, aussprechen.

Wir stehen heute hier in Solidarität mit den Menschen, die in der Türkei auf der Straße sind, sich Straßenschlachten mit den Handlangern der Diktatur von Erdoğan liefern und für ihre Rechte kämpfen.

Das müssen wir hier auch. Wir müssen unseren Protest in diesem Zentrum des weltweiten Imperialismus, hier in Deutschland, auf die Straßen tragen. Wir müssen allen, die es bis jetzt noch nicht sehen wollen, die Augen öffnen ob der Brutalität und Ungerechtigkeit des Kapitalismus, die uns alle alltäglich immer wieder trifft. Wir müssen Hand in Hand dafür einstehen, diese Zustände zu beenden.

Das kann aber nur funktionieren, wenn wir uns nicht spalten lassen, sondern gemeinsam kämpfen!

Ich hoffe, ihr seid alle mit dabei – in diesem Sinne: Hoch die internationale Solidarität!

 

Wir werden auch bei den kommenden Demos und Solidaritätskundgebungen dabei sein – Istanbul ist nicht allein.