Hinter den Kulissen…

Drei Donuts kosten bei Dunkin’ Donuts 4,80€.  Die Angestellten dort bekommen pro Stunde 4,60€. Das heißt zum einen: Sie arbeiten für einen Hungerlohn, und zum anderen: Für diesen Hungerlohn können sie sich nicht einmal drei Donuts im eigenen Laden kaufen. Dabei lag das Betriebseinkommen der Franchise-Kette 2010 bei 194 Mio. US-Dollar.

Bei den Löhnen hört es nicht auf. Die Arbeitstage dauern oft bis zu 11 Stunden, dies dann gerne auch mal sechs Tage die Woche, freie Tage haben die Mitarbeiter so gut wie gar nicht, ebenso wie Pausen während der Arbeitszeit. Völlige Aushöhlung des Arbeitsrechts nennt man das.

Wir als SDAJ Köln beschlossen, diese Missstände nun auch öffentlich anzuprangern und starteten vergangenen Samstag eine Flugblattverteilung vor zwei Filialen in Köln, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie die Angestellten, die hinter der Theke stehen und die Riesen-Auswahl an Donuts anpreisen, arbeiten müssen.

„Ihr seid die Besten!“

Auch IN die Filialen haben wir uns gewagt, denn auch die Kollegen bei Dunkin’ Donuts selbst sollten erfahren, dass sie nicht alleine sind. Die Reaktionen waren überraschend positiv.

„Ihr seid die Besten!“, „Das stimmt wirklich alles, was da drauf steht!“, „Endlich!“ und Ähnliches waren Äußerungen, die uns entgegen schlugen. Auf ein etwas verängstigtes „Pack’ das schnell weg…“ von einem Kollegen erwiderte die restliche Belegschaft: „Auf keinen Fall, wieso?! Es stimmt doch alles, was da drauf steht!“.

Natürlich gab es auch negative Reaktionen. Die Chefin in einer der Filialen war über unsere Anwesenheit wenig begeistert, drohte uns mit der Polizei und war schwer motiviert, uns gerne möglichst schnell wieder von der Straße vor dem Laden zu vertreiben. Gelungen ist ihr dies nicht.

„Was kann man denn da tun?“

Bei der Verteilung wurden uns in Gesprächen immer wieder Fragen gestellt. „Warum arbeiten die denn noch da?“ und „Was kann man denn da tun?“ waren die häufigsten.

Warum Dunkin’ Donuts immer wieder neue Angestellte findet, ist schnell ersichtlich: Lieber arbeiten Menschen für einen Hungerlohn, als ganz ohne Job auf der Straße bzw. beim Arbeitsamt zu sitzen, auch wenn das heißt, sich täglich ausbeuten zu lassen. Dabei wird ihnen auch immer wieder deutlich gemacht, dass sie ersetzbar sind und bereits zehn weitere darauf warten, ihren Job zu übernehmen, wenn sie selbst erst einmal rausgeflogen sind.

Der Konzern zur Kasse!

Was können wir dagegen tun?

Wir wollten mit unserer Flugblattaktion überhaupt erst einmal die Passanten in den Einkaufsstraßen darauf aufmerksam machen, was so in den Läden passiert, in denen sie die quietschbunten Süßwaren kaufen, den meisten ist dies überhaupt nicht bewusst: Wie denn auch?

Ein weiterer Schritt ist selbstverständlich das gewerkschaftliche Engagement und das Ringen um ver.di-Mitglieder bei der Belegschaft – schließlich können wir nicht jeden Samstag vor allen Dunkin’ Donuts-Filialen in Köln stehen!

Des Weiteren fordern wir einen Mindestlohn für die Angestellten bei Dunkin’ Donuts, der NICHT unter 8,50€ liegen darf!. Der soll nicht von irgendwoher kommen. Der Konzern mit seinen immensen Profiten muss zur Kasse gebeten werden! Und bei dieser Kette hört es selbstverständlich nicht auf.

Ein allgemein gesetzlicher Mindestlohn muss her – wir wollen nicht für solche Dumping-Löhne arbeiten!

Stunden nach der Flugblattverteilung erreichte uns eine Nachricht von einem der Angestellten: Wir sollen bitte wiederkommen.

Werden wir.