Ein Bericht von einer SDAJ-Sympathisantin.


Donnerstags morgens, vor Schulbeginn an einer Kölner Schule.
Vier oder fünf Männer stehen vor dem Schulgebäude, verteilen ihr ‚Jugendmagazin‘ mit dem Titel ‚Objektiv – freiheitliches Jugendmagazin‘.
Die Männer sind von pro NRW und einer anderen rechte Gruppierung. Auf dem Cover ihres ‚Magazins‘ fällt einem sofort das Wort ‚Hauptschule?´ ins Auge. Darunter steht noch ‚Der Bologna Prozess – ein Resümee‘, ,Islamunterricht – ein trojanisches Pferd?´ und ,Bildungsfern und abgehängt?‘. In dem Magazin wird außerdem zum Tag der Patrioten und diversen anderen Veranstaltungen aufgerufen.

Vereinzelt stehen Schüler und Schülerinnen da und versuchen, anderen Schülern und Schülerinnen zu vermitteln, das Magazin nicht anzunehmen, es wegzuwerfen.
Der ganze Doppeljahrgang, ein großer Teil der politisch-aktiven Schüler und Schülerinnen und SVler, sind auf Abiturfahrt.
Ich gehe ins Sekretariat, mit dem Magazin in der Hand, spreche mit unserer Sekretärin.
Sie sagt, die Polizei und die Schulleitung wären unterwegs, ich schlage vor die braune Tonne aufzustellen, um die Hefte wegzuwerfen und ein antifaschistisches Transparent aufzuhängen.

Neben mir steht ein Junge, der sagt: „Ich komme aus der Türkei. Mir haben die Leute von Pro-NRW kein Magazin gegeben, haben mich angeschrien was ich hier zu suchen hätte, ich sollte zurück in mein Land gehen und kann doch nicht die zukünftige Bildungselite Deutschlands sein, wo ich doch nicht mal Deutscher bin.“

Vor dem Sekretariat sitzen zwei Mädchen, beide am Weinen. Ich gehe hin und frage sie, was passiert ist. Das eine Mädchen ist blond, hat blaue Augen. Das andere Mädchen ist schwarz. Das blonde Mädchen erzählt mir, dass sie mit ihrer Freundin wie jeden Tag zur Schule gegangen ist, als einer der Männer sie angeschrien hat, wieso sie sich mit solchem Abschaum abgeben würde, dass sie die deutsche Rasse verunreinigen würde.
Das schwarze Mädchen guckt mich an und fragt mich: „Wer sind diese Männer? Was wollen sie? Dürfen die das? Dürfen die einfach ihr Magazin verteilen, an unserer Schule?“
Und alles, was ich ihnen sagen kann, ist: „Ja, die dürfen leider, solange sie das Schulgelände nicht betreten. Wir versuchen mit Lehrerinnen und Lehrern an unserer Schule gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. Hoffentlich werden Parteien, die solche Dinge sagen und denken bald verboten, aber solange das noch nicht der Fall ist müssen wir weiter dagegen kämpfen und uns gegenseitig Respekt und Toleranz entgegenbringen.“