Hinter den Kulissen…

Drei Donuts kosten bei Dunkin’ Donuts 4,80€.  Die Angestellten dort bekommen pro Stunde 4,60€. Das heißt zum einen: Sie arbeiten für einen Hungerlohn, und zum anderen: Für diesen Hungerlohn können sie sich nicht einmal drei Donuts im eigenen Laden kaufen. Dabei lag das Betriebseinkommen der Franchise-Kette 2010 bei 194 Mio. US-Dollar.

Bei den Löhnen hört es nicht auf. Die Arbeitstage dauern oft bis zu 11 Stunden, dies dann gerne auch mal sechs Tage die Woche, freie Tage haben die Mitarbeiter so gut wie gar nicht, ebenso wie Pausen während der Arbeitszeit. Völlige Aushöhlung des Arbeitsrechts nennt man das.

Wir als SDAJ Köln beschlossen, diese Missstände nun auch öffentlich anzuprangern und starteten vergangenen Samstag eine Flugblattverteilung vor zwei Filialen in Köln, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie die Angestellten, die hinter der Theke stehen und die Riesen-Auswahl an Donuts anpreisen, arbeiten müssen.

„Ihr seid die Besten!“

Auch IN die Filialen haben wir uns gewagt, denn auch die Kollegen bei Dunkin’ Donuts selbst sollten erfahren, dass sie nicht alleine sind. Die Reaktionen waren überraschend positiv.

„Ihr seid die Besten!“, „Das stimmt wirklich alles, was da drauf steht!“, „Endlich!“ und Ähnliches waren Äußerungen, die uns entgegen schlugen. Auf ein etwas verängstigtes „Pack’ das schnell weg…“ von einem Kollegen erwiderte die restliche Belegschaft: „Auf keinen Fall, wieso?! Es stimmt doch alles, was da drauf steht!“.

Natürlich gab es auch negative Reaktionen. Die Chefin in einer der Filialen war über unsere Anwesenheit wenig begeistert, drohte uns mit der Polizei und war schwer motiviert, uns gerne möglichst schnell wieder von der Straße vor dem Laden zu vertreiben. Gelungen ist ihr dies nicht.

„Was kann man denn da tun?“

Bei der Verteilung wurden uns in Gesprächen immer wieder Fragen gestellt. „Warum arbeiten die denn noch da?“ und „Was kann man denn da tun?“ waren die häufigsten.

Warum Dunkin’ Donuts immer wieder neue Angestellte findet, ist schnell ersichtlich: Lieber arbeiten Menschen für einen Hungerlohn, als ganz ohne Job auf der Straße bzw. beim Arbeitsamt zu sitzen, auch wenn das heißt, sich täglich ausbeuten zu lassen. Dabei wird ihnen auch immer wieder deutlich gemacht, dass sie ersetzbar sind und bereits zehn weitere darauf warten, ihren Job zu übernehmen, wenn sie selbst erst einmal rausgeflogen sind.

Der Konzern zur Kasse!

Was können wir dagegen tun?

Wir wollten mit unserer Flugblattaktion überhaupt erst einmal die Passanten in den Einkaufsstraßen darauf aufmerksam machen, was so in den Läden passiert, in denen sie die quietschbunten Süßwaren kaufen, den meisten ist dies überhaupt nicht bewusst: Wie denn auch?

Ein weiterer Schritt ist selbstverständlich das gewerkschaftliche Engagement und das Ringen um ver.di-Mitglieder bei der Belegschaft – schließlich können wir nicht jeden Samstag vor allen Dunkin’ Donuts-Filialen in Köln stehen!

Des Weiteren fordern wir einen Mindestlohn für die Angestellten bei Dunkin’ Donuts, der NICHT unter 8,50€ liegen darf!. Der soll nicht von irgendwoher kommen. Der Konzern mit seinen immensen Profiten muss zur Kasse gebeten werden! Und bei dieser Kette hört es selbstverständlich nicht auf.

Ein allgemein gesetzlicher Mindestlohn muss her – wir wollen nicht für solche Dumping-Löhne arbeiten!

Stunden nach der Flugblattverteilung erreichte uns eine Nachricht von einem der Angestellten: Wir sollen bitte wiederkommen.

Werden wir.

 

 

 

 

Ein Bericht von einer SDAJ-Sympathisantin.


Donnerstags morgens, vor Schulbeginn an einer Kölner Schule.
Vier oder fünf Männer stehen vor dem Schulgebäude, verteilen ihr ‚Jugendmagazin‘ mit dem Titel ‚Objektiv – freiheitliches Jugendmagazin‘.
Die Männer sind von pro NRW und einer anderen rechte Gruppierung. Auf dem Cover ihres ‚Magazins‘ fällt einem sofort das Wort ‚Hauptschule?´ ins Auge. Darunter steht noch ‚Der Bologna Prozess – ein Resümee‘, ,Islamunterricht – ein trojanisches Pferd?´ und ,Bildungsfern und abgehängt?‘. In dem Magazin wird außerdem zum Tag der Patrioten und diversen anderen Veranstaltungen aufgerufen.

Vereinzelt stehen Schüler und Schülerinnen da und versuchen, anderen Schülern und Schülerinnen zu vermitteln, das Magazin nicht anzunehmen, es wegzuwerfen.
Der ganze Doppeljahrgang, ein großer Teil der politisch-aktiven Schüler und Schülerinnen und SVler, sind auf Abiturfahrt.
Ich gehe ins Sekretariat, mit dem Magazin in der Hand, spreche mit unserer Sekretärin.
Sie sagt, die Polizei und die Schulleitung wären unterwegs, ich schlage vor die braune Tonne aufzustellen, um die Hefte wegzuwerfen und ein antifaschistisches Transparent aufzuhängen.

Neben mir steht ein Junge, der sagt: „Ich komme aus der Türkei. Mir haben die Leute von Pro-NRW kein Magazin gegeben, haben mich angeschrien was ich hier zu suchen hätte, ich sollte zurück in mein Land gehen und kann doch nicht die zukünftige Bildungselite Deutschlands sein, wo ich doch nicht mal Deutscher bin.“

Vor dem Sekretariat sitzen zwei Mädchen, beide am Weinen. Ich gehe hin und frage sie, was passiert ist. Das eine Mädchen ist blond, hat blaue Augen. Das andere Mädchen ist schwarz. Das blonde Mädchen erzählt mir, dass sie mit ihrer Freundin wie jeden Tag zur Schule gegangen ist, als einer der Männer sie angeschrien hat, wieso sie sich mit solchem Abschaum abgeben würde, dass sie die deutsche Rasse verunreinigen würde.
Das schwarze Mädchen guckt mich an und fragt mich: „Wer sind diese Männer? Was wollen sie? Dürfen die das? Dürfen die einfach ihr Magazin verteilen, an unserer Schule?“
Und alles, was ich ihnen sagen kann, ist: „Ja, die dürfen leider, solange sie das Schulgelände nicht betreten. Wir versuchen mit Lehrerinnen und Lehrern an unserer Schule gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. Hoffentlich werden Parteien, die solche Dinge sagen und denken bald verboten, aber solange das noch nicht der Fall ist müssen wir weiter dagegen kämpfen und uns gegenseitig Respekt und Toleranz entgegenbringen.“

 

 

Arsch huh, Zäng ussenander!

Gepostet am 9. November 2012 Aktuelles Allgemein

Kommt alle am 9. November, ab 17.30 Uhr zum großen Konzert an der Deutzer Werft!

Aufruf der Veranstalter:

Gegen Neonazis, Rassismus und Ausgrenzung für eine solidarische Stadtgesellschaft

9. November 1992:

Es ist die größte Demonstration in Köln seit Kriegsende. 100.000 Kölnerinnen und Kölner versammeln sich zum Protest gegen Neonazis und Rassismus auf dem Chlodwigplatz. Die Kundgebung findet statt vor dem Hintergrund einer Welle ausländerfeindlicher Gewalttaten im noch jungen vereinten Deutschland der frühen 1990er. Aufgerufen zum Protest hatte ein Zusammenschluss Kölner Musiker unter dem Motto „Arsch huh, Zäng Ussenander“, Titel des zentralen Songs, den alle gemeinsam eigens für die Veranstaltung eingespielt haben.

Mit der Demonstration geht ein Ruck durch die Stadt und die Region. Überall entstehen neue Projekte und Initiativen, die das Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern verbessern wollen und der „rechten Gewalt“ den Kampf ansagen. Aber die Musiker, die zum Protest aufgerufen hatten, wollen mehr als nur ein Zeichen setzen. Sie gründen einen Verein und engagieren sich in den folgenden Jahren in ungezählten Einzelaktionen, Benefizkonzerten, Podiumsdiskussionen für die Völkerverständigung, leisten Aufklärungsarbeit in Schulen und unterstützen die Arbeit gegen Rechtsradikale. Um ihre Aktivitäten auf ein solides Fundament zu stellen und die Arbeit nachhaltig zu gestalten, laden die Musiker im Dezember 1993 400 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Kultur zum stadtpolitischen Kongress „173 Völker – Eine Stadt“ ein. Die Tagung mit dem Bielefelder Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer hat das Ziel Lösungsansätze für ein besseres Zusammenleben zwischen Deutschen und Nicht-deutschen zu finden.

Was ist daraus geworden?

In den vergangenen 20 Jahren hat die Frage nach Rassismus und Diskriminierung von Schwachen in unserer Gesellschaft nichts von ihrer Relevanz verloren. Immer wieder zeigen sich die Nazis völlig unverhohlen – auch hier bei uns in Köln. Ihre populistische Ausgabe in Gestalt von ProKöln schafft es immer wieder, Plätze im Kölner Stadtrat zu besetzen. Sie waren es auch, die mit der Moschee-Frage den Versuch unternahmen, unsere Stadtgesellschaft weiter zu spalten. Auch gibt es seit einigen Monaten die traurige Gewissheit, dass Neonazis bereit sind mit mörderischer Gewalt ihre Ideologie in die Tat umzusetzen. Der Anschlag in der Keupstraße brachte die Spur dieses Terrors auch nach Köln.
Am erschreckendsten ist aber sicherlich, dass dieses menschenverachtende Gedankengut weiterhin die Lufthoheit über den deutschen Stammtischen hat. 20 Jahre nach den ersten Brandanschlägen gegen Flüchtlingsheime ist „Fremdenfeindlichkeit“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die neueste Studie Wilhelm Heitmeyers liefert ernüchternde Zahlen: 50% der Deutschen sind einer repräsentativen Befragung zufolge der Ansicht Deutschland sei „in gefährlichem Maße überfremdet.“ Dieser Trend wird dadurch verschärft, dass nicht nur der Ton gegen die Ausgegrenzten schärfer wird, sondern auch die Bereitschaft wächst, gegen sie „auf die Straße zu gehen“ oder gar Gewalt zu billigen oder selbst auszuüben. Am 20. Jahrestag von Arsch huh, Zäng Ussenander gibt es also keinen Grund zu Feiern. Es kann nur ein Tag des Protests sein.

Doch wie würde unsere Gesellschaft heute aussehen, wenn es nicht eine Vielzahl von Einzelpersonen und Initiativen in Deutschland gäbe, die immer wieder für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben gekämpft haben? So wollen die Musiker und Künstler der AG Arsch huh den Jahrestag auch nutzen, um sich bei all denen zu bedanken, die sich in den letzten Jahren für die gemeinsamen Ziele engagiert haben und bestärken weiter für diese Ziele einzutreten.
Aber Heitmeyers aktuelle Studie „Deutsch Zustände“ aus dem Jahr 2011 zeigt auch, das Eintreten für eine gerechte und solidarische Stadtgesellschaft mehr bedeutet als sich nur gegen Rassismus zu wenden. Zu den gesellschaftlichen Verlierern gehören vor allem die Armen in unserer Stadt, von denen es immer mehr gibt: Ob Langzeitarbeitslose oder Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose oder Asylanten. Die Benachteiligung der Schwächeren ist auch immer die Benachteiligung der „Fremden“. Wir richten uns gegen das soziale Auseinanderbrechen unserer Stadtgesellschaft.

Am 9. November 2012 heißt es deshalb „Arsch huh – Zäng ussenander“ gegen Neonazis, Rassismus und Ausgrenzung für eine solidarische Stadtgesellschaft.

Alle Infos: http://www.arschhuh.de/

 

 

Die GEMA – was ist das überhaupt? Gehört haben wir den Namen wohl fast alle schon einmal – meistens bei der Suche eines Youtube-Videos, wo man ganz oft folgendes liest: “Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar…”

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Verfielfältigungsrechte vertritt laut eigener Definition die Nutzungsrechte von z.B. Musikern, Komponisten und Dichtern, die in ihr Mitglied sind. Wird nun zum Beispiel ein Song öffentlich aufgeführt, werden Vergütungen an die GEMA abgedrückt, diese schüttet die Gelder dann nach einem komplizierten und ziemlich undurchsichtigen Verteilerschlüssel an ihre Mitglieder aus. Und das ist genau einer der Knackpunkte, denn dieser Verteilerschlüssel ist derart ungerecht und teilweise willkürlich, dass bei den Künstlern, die die GEMA ja gerne vorschiebt, so gut wie gar nichts ankommt. Profitieren tun nur die Konzerne, wie zum Beispiel die Plattenfirmen.

Dem noch nicht genug, gibt es jetzt auch noch eine GEMA-Tarifreform. Soll heißen, 11 Tarife werden auf zwei zusammengekürzt und die Preise werden um im Schnitt 400% (Spitzensatz: +1200%) erhöht.

Dazu ein Rechenbeispiel: Stellen wir uns eine mittelgroße Disco vor, mit zwei Dancefloors à 400m² und 300m², wo man für eine Party im Schnitt etwa 8€ bezahlt. Die GEMA-Gebühren für eine solche Location erhöhen sich mit der neuen Tarifreform von 21.553€ auf 147.916€ pro Jahr.

Was heißt das also in der Konsequenz für Veranstalter, für uns, für unser Nacht- und Partyleben?

Nun ja, Parties werden für uns unbezahlbar, denn auf irgendwen müssen die erhöhten GEMA-Gebühren schließlich umgelegt werden. Das kann selbstverständlich niemand mehr bezahlen und für die Betreiber von Discotheken und sonstigen Veranstaltungen kann dies das schnelle Aus bedeuten.

Keine Parties, keine Discos mehr? GEMA-Gebühren selbst für Musik auf einem Straßenfest oder eine private Geburtstagsparty bezahlen? Das kann nicht unsere Zukunft sein! Jugendzentren und öffentliche Plätze für Jugendliche werden sowieso schon überall weg gespart, für unter 18-Jährige gibt es fast gar keine Möglichkeiten, anständig feiern zu gehen. Jetzt werden uns sogar auch noch die kommerziellen “Möglichkeiten” zum Feiern genommen, indem die GEMA ihre Monopolstellung nutzt und letztendlich den Jugendlichen das Geld aus der Tasche zieht.

Wir sagen: NEIN zu diesen unverhältnismäßigen Erhöhungen! Konzerne zur Kasse, nicht wir Jugendliche!

Wir fordern:

  • Einen fairen Verteilerschlüssel, der auch den Künstlern nutzt!
  • Keine Umwälzung der Tarifreform auf uns Jugendliche!
  • GEMA unter staatliche Kontrolle – zu unserem Schutz, dem unserer Partylocations UND der Musiker!
  

1.Mai – Tag der Arbeiterbewegung

Gepostet am 16. April 2012 Aktuelles

„Du musst nicht denken, so ein Lager ist von einem Tag auf den anderen zu Ende. Schön wär das. Wirst befreit, gehst raus, und alles ist vorbei. So ist das leider nicht,  ihr stellt euch das viel zu einfach vor, das Lager läuft dir hinterher. Von draußen sieht es aus wie normales Leben, in Wirklichkeit sitzt du noch im Lager, das in deinem Kopf weiter existiert. Du fürchtest, so fängt der Wahnsinn an.“ So spricht die Hauptfigur aus Jurek Beckers Roman „der Boxer“, in dem Becker Gespräche zu verarbeiten versucht, die er zwei Jahre lang mit einem ehemaligen KZ-Häftling geführt hat.

Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedenken wir aller  unter der NS-Herrschaft Verfolgten und Ermordeten, ihrer Leiden, Qualen und Erniedrigungen.

2012 stehen die Kölnerinnen und Kölner im Mittelpunkt, die in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Herkunft und aus rassistisch-antisemitischen Gründen verfolgt wurden. Manche konnten der Verfolgung durch Emigration entkommen, nur wenige überlebten die Vernichtungslager, einzelne wurden durch mutige Menschen gerettet, die ihnen in Köln oder Umgebung ein Versteck oder die Flucht ins Ausland ermöglichten. Die Überlebenden sind gezeichnet von der erfahrenen sozialen Ausgrenzung und Entrechtung, von tiefster Demütigung und brutaler Misshandlung. Zwangsarbeit zermürbte ihren Körper, die Anwesenheit des Todes ihre Seele. Mit der Rückkehr aus Versteck, Lager und Emigration war für sie die Hoffnung verbunden, an das Leben vor der Verfolgung anknüpfen zu können. Doch dies gelang nur wenigen.

Viele hatten ihre nächsten Angehörigen verloren, Das Zuhause war ihnen genommen und eine neue Heimat nur schwer zu finden. Sie waren entwurzelt, die Lebenswege abgeschnitten, oft völlig zerstört. 1945 stellte sich ihnen die Frage, wie und wo sie die Kraft für weiteres Leben aufbringen konnten. War für sie eine Rückkehr nach Köln denkbar?

Trotz aller Bedenken entschlossen sich einzelne Kölnerinnen und Kölner zur Rückkehr in ihre Heimatstadt, manche schon früh, manche später. Ihre Hoffnung, dass sie dort auf Menschen treffen, die bereit und fähig dazu wären, sich ehrlich und selbstkritisch mit ihrem Leben im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, wurde in den meisten Fällen enttäuscht, aber gleichzeitig entstanden auch Begegnungen und Beziehungen, die als kostbar und unverzichtbar empfunden wurden. Leiden an Deutschland, und Vertrauen, das langsam und stockend wiedergewonnen wird, schafften eine spannungsvolle Existenz.

Indem wir dies an den Lebensläufen von Bruno Kisch, Margret Busher, Malka Schmuckler, Herbert Lewin, Moritz und Helmut Goldschmidt nachzeichnen, erinnern wir an alle, die die Mühen des Neuanfangs in unserer Stadt trotzdem auf sich genommen und damit viel zum demokratischen Wiederaufbau der Kölner Gesellschaft beigetragen haben.

Die Häftlinge von Buchenwald – zu denen auch Helmut Goldschmidt gehörte – schworen nach ihrer Befreiung: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“. Dies ist nach wie vor aktuell. Deshalb sind wir alle aufgefordert, einen Beitrag zu leisten, dass Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt keinen Boden gewinnen und die Erinnerungsarbeit demokratische Früchte trägt.

Gedenkveranstaltung

No way! Den Rassisten-Marsch von Pro Köln erneut verhindern

Für den 28. Januar hat die extrem rechte “Bürgerbewegung” Pro Köln einen erneuten Aufmarsch in Köln-Kalk angekündigt. Zum dritten Mal innerhalb von nur 10 Wochen ist damit der multikulturelle Stadtteil Demonstrationsziel von Rassisten und Faschisten. Ein kurzer Rückblick:

Bereits am 19. November versuchte Pro Köln die Bevölkerung in Kalk rassistisch aufzuhetzen, indem man gegen “Linksextreme und Kriminelle mit Migrationshintergrund” wetterte, die angeblich den Stadtteil terrorisieren. An diesem Tag hatte sich ein breites Netzwerk aus verschieden lokalen Gruppen und Initiativen unter dem gemeinsamen Motto “Kalk macht Dicht” erfolgreich gegen die rechte Propaganda gestellt und deutlich gezeigt, dass Pro Köln im Stadtteil unerwünscht ist.

Am 10. Dezember waren es Neonazis aus dem Umfeld des Kölner Neonazi-Anführers Axel Reitz, die eine Demonstration unter starkem Protest der Bürger und Bürgerinnen in Kalk und Humboldt-Gremberg abhielten. Axel Reitz soll laut einem Bericht des WDR Kontakte zur rechten Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) gepflegt zu haben, von denen unter anderem der Nagelbombenanschlag in der Köln-Mülheimer Keupstraße verübt wurde. Anmelder dieser Demonstration war René Emmerich aus Köln, der noch bei der Kommunalwahl 2009 für Pro Köln antrat. Hier schließt sich wiederum der Kreis zwischen der vermeintlichen “Bürgerbewegung” und militanten Neonazis.

Die Ankündigung von Pro Köln zu demonstrieren, “damit Köln auch zukünftig eine liberale, weltoffene und pluralistische Metropole bleibt”, ist eine Farce angesichts solcher personeller Verflechtungen und sich immer wiederholender Kapagnen seitens Pro Köln gegen Moscheen, MigrantInnen, Homosexuelle und all jene, die nicht in ihr menschenfeindliches Weltbild passen.

Wir werden es auch am 28. Januar nicht zulassen, dass RassistInnen in Kalk aufmaschieren können. Wie im November rufen wir dazu auf Kalk dichtzumachen. Kommt deshalb ab 9 Uhr auf die Kalker Hauptstraße um für ein solidarisches Zusammenleben in Kalk und gegen Rassismus ein Zeichen zu setzen. Sie werden auch diesmal nicht durchkommen!

 

Aufruf übernommen von www.dazwischengehen.mobi

Aufruf zum Bildungsstreik am 17.11.2011

Gepostet am 13. November 2011 Aktuelles

2010-04-22-Vorne

Demotreffpunkte am Donnerstag den 17.11. , jeweils um 10 Uhr:
1. Albertus-Magnus-Platz, vor dem Uni-Hauptgebäude

2. Deutz, Eitorfer Straße, vor den dortigen Beruskollegs

Aufruf:

Hunderttausende junge Menschen gingen in den letzten Jahren gegen die Missstände in unseren Schulen, an den Hochschulen und auf dem Ausbildungsmarkt auf die Straße. Sie bestreikten den Unterricht und besetzten die Hörsäle. Damit setzten sie die Abschaffung der Studiengebühren und der Kopfnoten sowie die Wiedereinführung der Drittelparität für die Schulkonferenzen durch.

Außerdem wird darüber diskutiert, die Hochschulen demokratischer zu gestalten und Bachelor/Master zu überarbeiten. Das zeigt: Wir können etwas erreichen, wenn wir uns gemeinsam für unsere Interessen einsetzen. Jetzt kommt es darauf an, etwas für grundsätzliche Reformen zu tun, denn es gibt noch genug Probleme. Auch der sogenannte „Schulfrieden“ löst diese nicht.

Immer noch werden Kinder nach der 4. Klasse aussortiert; Studien- und Ausbildungsplätze sind ein umkämpftes Luxusgut und ständiger Leistungsdruck raubt uns jeden Spaß am Lernen. Repressionen, wie Elektroverbote in der Schule und Zwangsexmatrikulationen in den Hochschulen, sind der Alltag. Indem es uns in Angst vor der Zukunft hält und gegeneinander ausspielt, soll das Bildungssystem vor allem billige und brave Arbeitskräfte heranziehen. Genau die gleichen Mechanismen wirken auf dem Arbeitsmarkt: Hartz 4 und prekäre Arbeitsverhältnisse sichern keine Arbeitsplätze, sie dienen dem Interesse der Unternehmen.

VerliererInnen sind nicht nur wir, sondern die Gesellschaft als ganzes. Wie können wir an einer Lösung für so drängende Probleme wie Armut, Wirtschaftskrise, Unterdrückung, Krieg und Klimawandel arbeiten, wenn jedeR von der Schule an nur noch damit beschäftigt sein soll, nicht in der Konkurrenz unterzugehen?

Die Konkurrenz um Studien- und Ausbildungsplätze hat sich in diesem Herbst weiter verschlimmert, weil die Wehrpflicht wegfällt und die doppelten Abiturjahrgänge da sind. Die Hochschulen platzen aus allen Nähten und weisen massenhaft BewerberInnen ab, die auf den ohnehin überfüllten Ausbildungsmarkt strömen.

Angeblich ist in einem der reichsten Länder der Welt, das für hunderte Milliarden Euro Banken vor sich selbst rettet und Krieg führt, kein Geld da für mehr Studienplätze oder auch nur ein bezahlbares Mittagessen an Schulen.

Gleichzeitig wächst das Vermögen der reichsten 10 % der Bevölkerung (denen über 60% des gesamten Vermögens gehören) jede Sekunde um mehr als 8.100 EUR1. Alle Bildungsausgaben zusammen – von der Kita bis über das Studium hinaus betragen dagegen nur 3.800 EUR pro Sekunde2. Würden also die reichsten zehn Prozent einen Teil ihrer zusätzlichen Gewinne als Steuern abgeben, wären damit alle notwendigen Verbesserungen bezahlbar.

In Chile und in Spanien hat sich dieses Jahr eine ganze Generation gegen Bildungsabbau und Perspektivlosigkeit erhoben. Die Politik kann sie nicht mehr ignorieren. Machen wir selbst Geschichte – kämpfen wir gemeinsam für unsere Zukunft, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen!

Wir wollen ein ausreichend mit öffentlichen Mitteln finanziertes Bildungssystem, das allen, unabhängig von sozialer Herkunft, Zuwanderungsgeschichte und finanziellen Möglichkeiten gute Arbeit ermöglicht. Bildung und Arbeit müssen jedeN befähigen, kritisch und selbstständig zu denken und kooperativ zu einer demokratischen, gerechten und menschlichen Gesellschaft beizutragen.

Raus auf die Straße zur Demo am 17.11.! Wir, SchülerInnen, StudentInnen und Azubis fordern:

Bildung und gute Arbeit für alle

•Eine Schule für alle

•Studien- und betriebliche Ausbildungsplätze für alle

•“100% Übernahme“ – Die Auszubildenden nach Beendigung der Lehre in ein Vollzeitarbeitsverhältnis übernehmen

•gesetzlicher Mindestlohn

•Abschaffung von prekären Arbeitsverhältnissen, sowie von Zeit- und Leiharbeit

Lernen, forschen und arbeiten für persönliche Entfaltung und gesellschaftlichen Fortschritt statt für Profite

•Lernen braucht Zeit, keinen Leistungsdruck: G8 und Regelstudienzeiten abschaffen

•Modularisierung des Studiums und credit points abschaffen; Vollstudium (z.B. Master) für alle

•Bildung für den Frieden: Bundeswehr und Rüstungsindustrie raus aus allen Bildungseinrichtungen

•Alle Gremien paritätisch besetzen und undemokratische Hochschulräte abschaffen

Bedarfsdeckende öffentliche Finanzierung statt Kürzungspolitik

•Abschaffung der Bildungsgebühren von der Kita bis ins hohe Alter; elternunabhängiges BAFöG

•Mehr LehrerInnen, maximal 20 SchülerInnen pro Klasse

•gewünschter Kitaplatz für jedes Kind

Unterstützer:
AK Bildung und Erziehung, ATTAC Köln
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der FH Köln
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Uni Köln
BezirksschülerInnenvertretung (BSV) Köln
campus:grün Uni Köln
DGB-Jugend Köln
DIDF Jugend
Die Linke.SDS Köln
Juso Hochschulgruppe Köln
Juso SchülerInnen Köln
GEW-Studis NRW
Grüne Jugend Köln
Kölner Jugendring
Linksjugend [’solid] Köln
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Köln
Sozialistische Jugend Deutschlands (SJD) – Die Falken Köln

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Demobild

Kommt alle zur Demonstration:
26. März 2011, 11 Uhr Neumarkt, Köln
Ab 14 Uhr Kundgebung Deutzer Werft

Die Atomkraft gefährdet uns Alle, das hat das Unglück in Japan gezeigt. Aber nach dem Willem der großen Energiekonzerne sollen die Atomkraftwerke in Deutschland weiterlaufen. Während eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eindeutig das Ende der Atomkraft will, erfüllt die Bundesregierung nur den Willen der Energiekonzerne. Sie profitieren kräftig von der beschlossenen Laufzeitverlängerung. Die Atommeiler laufen länger, das heißt für die Konzerne unter dem Strich eine mögliche Wertsteigerung um ca. 50 Mrd. Euro. [vgl. Prof. Dr. Uwe Leprich und Prof. Dr. Andy Junker,13.10.2010]. Da sind die fadenscheinigen Besteuerungen der Atomenergie durch die Regierung schon mit drin.

Wenn die Energiekonzerne jetzt große Gewinne einfahren, haben wir dann etwas davon? Sinken die Strompreise durch die Erhaltung der Atomkraftwerke? Im Gegenteil: Im Oktober 2010 wurde bereits eine Erhöhung der Strompreise für 2011 um bis zu 10 Prozent angekündigt. Für eine Durchschnittsfamilie mit 4000 kWh Verbrauch und 923 Euro Kosten im Jahr eine Erhöhung um 10 Euro pro Monat.
Die Energiekonzerne streichen also den Extraprofit ein und erzwingen durch ihre Marktbeherrschende Stellung gleich noch eine Strompreiserhöhung oben drauf.
Es geht diesen Konzernen also nur um Profit, nicht um die Menschen.

Konsequent müssen daher jetzt die Atomkraftwerke alle schnellst möglich abgeschaltet werden und die Energieversorgung umgebaut werden. Ein individuelles Umsteigen auf kleine Stromanbieter reicht bei weitem nicht. Das beseitigt weder die diktatorische Stellung der großen Konzerne, die den Preis nach oben schrauben, noch die Frage nach dem gesamtwirtschaftlichen Stromverbrauch (Industrie, ÖPNV, Gewerbe). Auch darf nicht zugelassen werden, das sich die Konzerne beim Umbau der Energiewirtschaft noch mehr Profit in die Tasche stecken wollen: Der Umbau muss aus ihren Profiten bezahlt werden. Wir sagen: Abschalten und Umbauen auf Kosten der Konzerne! Keine Strompreiserhöhung zu unseren Lasten, keine Steuergelder für diese Großkonzerne! Wir sagen auch: Keine Abwälzung der Umbaukosten auf die arbeitenden Menschen und auf die Zukunftsperspektiven der Jugend. Erhalt aller Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft. Um uns gegen die Konzerninteressen durchzusetzen, müssen wir gemeinsam mit allen Kräften für die Demokratie eintreten, wir müssen möglichst viele Menschen mobilisieren. Gemeinsam gegen die Diktatur der Konzerne und des Profits!

Für uns heißt die Schlussfolgerung:

– Abschalten aller Atomkraftwerke in Deutschland!
– Umbau der Energieversorgung – Konzerne zur Kasse!
– Keine Erhöhung der Strompreise!
– Keine Abwälzung von Kosten auf öffentliche Haushalte!

Herzlich willkommen bei der SDAJ Köln

Gepostet am 6. September 2010 Aktuelles

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