Rede Ostermarsch 2016 in Düsseldorf

Gepostet am 15. April 2016 Allgemein

Vor ca. 100 Menschen haben wir auf der Kundgebung in Köln vor der gemeinsam Abreise nach Düsseldorf zum Ostermarsch eine Rede gehalten, welche hier nachlesbar ist:

Liebe Kölnerinnen und Kölner,
Liebe Jugendliche,

„Krisenherde löschst du nicht mit abwarten und Teetrinken“, „Wahre Stärke findest Du nicht zwischen zwei Hanteln“, oder „Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst“ sowie seit neustem „Gegen virtuellen Terror hilft kein Dislike-Button“. Mit solchen und anderen Parolen hat die Bundeswehr unter dem Titel „Mach was wirklich zählt“ vor Kurzem ihre Werbeoffensive gestartet. Daran wird eins deutlich: Das deutsche Militär hat ein Nachwuchsproblem. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht sind die Nachwuchszahlen der Streitkräfte gesunken. Verständlich – denn viele Jugendlichen haben eben kein Interesse daran, einen Job auszuüben, dessen Inhalt darin besteht andere Menschen zu töten, oder bei einem Auslandseinsatz selbst getötet zu werden.

Um diese und andere Werbekampagnen finanzieren zu können, investiert der Bund jährlich rund 33 Milliarden Euro in den sogenannten „Verteidigungshaushalt“, Tendenz: steigend. Verteidigungsministerin von der Leyen forderte zuletzt sogar eine Aufstockung der Ausgaben für Rüstung um 130 Milliarden Euro für die nächsten 15 Jahre, um so dem personellen Defizit bei der Bundeswehr entgegenwirken zu können.

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Krieg beginnt hier – Stoppen wir ihn hier!

Während die Bundesregierung also keine finanziellen Mittel scheut, um absurde Imagekampagnen der Bundeswehr zu finanzieren, fehlt es im Bildungssektor an allen Ecken und Enden. An Schulen und Universitäten herrscht ein chronischer Lehrkräftemangel, die Kapazitäten staatlicher oder ziviler Bildungseinrichtungen sind völlig überlastet. Permanenter Unterrichtsausfall, marode Schulgebäude, zu große Klassen und Selektion sind die Bedingungen mit denen sich Jugendliche überall im Bundesgebiet tagtäglich konfrontiert sehen.
Auch in Bezug auf die Berufsfindung herrscht unter der Jugend oftmals große Perspektivlosigkeit. Die hohe Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, die Zulassungsbeschränkungen an Universitäten, aufgrund mangelnder Kapazitäten und schlecht bezahlte Ausbildungsplätze haben die Perspektivlos

Krieg beginnt hier – Stoppen wir ihn hier!

Die Bundeswehr hingegen wirbt auf Berufsorientierungstagen, Berufsmessen und in Jobcentern mit vermeintlich attraktiven Angeboten. Mit Kostenlosen Studienplätzen, kleinen Lerngruppen, individueller Förderung u.v.m. werden die Jugendlichen von der Armee geködert.

Fakt ist: Dies sind die Bedingungen, die normale, staatliche Bildungseinrichtungen nicht leisten können, weil ihnen das Geld dazu fehlt. Um es anschaulicher zu machen: Deutschland gibt mehr als doppelt so viel Geld für das Militär aus, wie für die Bildung.

Während im Rahmen der europäischen und internationalen Weltwirtschafts- und Finanzkrise überall soziale und kulturelle Einrichtungen durch Sparhaushalte wegrationalisiert werden, ist bei der Bundeswehr kein Anzeichen eines solchen Sparzwangs zu erkennen.
Im Gegenteil: Der Militäretat der BRD ist von 2014 auf 2015 um 539 Millionen Euro erhöht worden

Was die Jugendoffizier*innen und Wehrdienstberater*innen meist

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Stop Wars – Gemeinsam gegen ihre Kriege!

nicht direkt auf Berufsmessen, in Schulen oder Jobcentern preisgeben sind die Nachteile, die eine Ausbildu

ng bei der Bundeswehr mit sich bringt. Langjährige Verpflichtungen, mindestens ein Auslandseinsatz, die Zahlen der physisch oder psychisch schwer angeschlagenen oder gar toten heimkehrenden Soldat*innen, all das wird – natürlich rein zufällig – von den Werbebeauftragten der Bundeswehr verschwiegen.
Stattdessen wird erklärt, wie bestimmte Waffensysteme funktionieren, wie schnell ein Eurofighter fliegen kann oder wie stark der Zusammenhalt unter den Kamerad*innen ist.

Oftmals wird die Bundeswehr dabei als ein normaler Arbeitgeber neben anderen dargestellt.
Wir stellen fest: Die Bundeswehr ist eben kein Arbeitgeber wie jeder andere. Sie ist eine Armee die bereits mehrere völkerrechtswidrige Angriffskriege mitgeführt hat und im Ausland führt. Es geht dabei nicht um die Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch oder sonst wo, es geht um das Töten und Morden im Interesse der deutschen Wirtschaft!

Wir stellen uns gegen das „Werben für’s Sterben“ in Schulen, auf Ausbildungs- und Berufsmessen.
Die Kriegstreiber der Bundeswehr haben in unseren zivilen Bildungseinrichtungen NICHTS (!) verloren! Wir Jugendliche haben kein Interesse an völkerrechtswidrigen Angriffskriegen, an der Verbreitung von Tod, Leid und Elend! Denn auch dafür ist die Bundeswehr verantwortlich.

Kriegseinsätze stehen im diametralen Gegensatz zu unseren Interessen. Wir wollen eine gute individuelle Ausbildung, die es uns ermöglicht später eine Existenz abzusichern und ein Leben in Frieden zu führen. Kein junger Mensch hat irgendetwas davon, wenn in anderen Ländern Menschen abgeschlachtet werden.

Vor einigen Wochen haben wir dieses Anliegen deutlich gemacht. Im Rahmen der Didacta, einer der größten Berufsbildungsmessen in der Region hatte die Bundeswehr mal wieder einen Stand aufgebaut, um auch dort mit attraktiven Bildern und Angeboten jugendliche Schulabgänger für den Dienst beim Militär zu werben.
Wir haben der Bundeswehr allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht! Gemeinsam mit mehreren anderen Jugendlichen haben wir eine Protestaktion gestartet, die insbesondere unter den Jugendlichen, die beim Bundeswehrstand waren viel Aufmerksamkeit erregt hat.
Gleichzeitig haben wir über die gesamte Dauer der Didacta mit einem Infostand vor den Messehallen über die heuchlerische Werbung der Bundeswehr für ihre Kriege informiert.

Wir Jugendliche, Schüler*innen, Studierende, Azubis aus Köln, werden nicht zulassen, dass die Bundeswehr die Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen ausnutzt, um sie als Kanonenfutter in menschenfeindlichen Auslandskriegen einzusetzen!

Wir werden um 1 Uhr gemeinsam von hier aus nach Düsseldorf zum Ostermarsch Rhein-Ruhr fahren und dort ein Zeichen gegen Krieg und Militarisierung setzen! Wir fordern euch alle auf: Kommt mit, demonstriert mit uns gegen die Kriegseinsätze der Bundeswehr, gegen die Werbung für den Dienst an der Waffe, gegen Aufrüstung und gegen die Abschottungspolitik in Europa. Krieg widerspricht den Interessen jedes Menschens – niemand von uns hat etwas davon!

Daher fordern wir:

  • Kein Werben für’s Sterben – Bundeswehr von Berufsbildungsmessen und aus Jobcentern ausladen!
  • Mehr Geld für Bildung statt für’s Militär!
  • Für eine zivile Forschung und antimilitaristische Bildung!
  • Auflösung der Kooperationsverträge zwischen Bundeswehr und den Landesregierungen!
  • Stopp jeglicher zivil-militärischer Zusammenarbeit!
  • Stopp aller Auslandseinsätze der Bundeswehr!

Kommt mit zum Ostermarsch! Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Frieden, für den Ausbau sozialer und kultureller Angebote, für eine qualitativ hochwertigere Bildung! Lasst uns gemeinsam für unser Grundrecht auf ein Leben in Frieden kämpfen!

Danke!