Unser Feminismus ist antirassistisch – Reclaim feminism   

Wie jedes Jahr am 8. März findet auch dieses Jahr der Weltfrauen*tag statt.Dieser Tag dient dem Widerstand gegen das Patriarchat, in dem Frauen* strukturell unterdrückt, ausgebeutet, belästigt, zwangsverheiratet, versklavt, verstümmelt und sogar ermordet werden.

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Frauen* in Deutschland 

Diese Verhältnisse existieren seit Jahrhunderten und weisen weltweit eine unverkennbare Systematik auf. Auch hier bei uns in Deutschland, einem Land, das als hochentwickelt und demokratisch gilt, ist Sexismus allgegenwärtig. Frauen* werden ausgebeutet und wesentlich schlechter bezahlt – allein in Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 22% weniger als ihre männlichen Kollegen.

Obwohl laut Statistiken inzwischen deutlich mehr Frauen als Männer Abitur machen und 59% der Uniabsolvent*innen Frauen sind, arbeiteten 65% der Frauen 2010 im Niedriglohnsektor. Das bedeutet, dass ihr Gehalt oft nicht einmal über der Armutsgrenze liegt, was ein finanziell unabhängiges Leben ohne Existenzängste nicht möglich macht.

Auch in geringfügigen Beschäftigungen liegt der Frauenanteil bei 66%. Geringfügige Beschäftigung heißt auch gerne 450€- bzw. Minijob, der nicht versicherungspflichtig ist.
Sogar in exakt der gleichen Position verdienen Frauen 7% weniger als ihre männlichen Kollegen. Frauen werden jedoch nicht nur schlechter bezahlt, sondern häufig gar nicht erst eingestellt: Nur 3% der Dax-Vorstandspositionen sind laut dem Global Gender Gap Report von 2013 mit Frauen besetzt.

Frauen* sind jedoch nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch schlechter gestellt:
Eine Scheidung verdoppelt das Armutsrisiko einer Frau, sie hat danach durchschnittlich 27% weniger Einkommen zur Verfügung, während ein Mann in der Regel danach deutlich mehr zur Verfügung hat.
Dies führt logischerweise dazu das Frauen* auf Grund drohender Armut in missbrauchenden Beziehungen bleiben, was durch Studien des Bundesministeriums für Familie bestätigt wird: Jede vierte in Deutschland lebende Frau hat häusliche Gewalt durch Beziehungspartner erlebt, 40% der Frauen haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
In der Bildung ist die Frau ebenfalls benachteiligt: weltweit sind ca. 60% der Analphabeten weiblich. Außerdem sterben jedes Jahr mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen häufiger Schwangerschaften und unzureichender medizinischer Betreuung bei der Geburt.
Auch politisch gesehen ist sind Frauen vollkommen unterrepräsentiert und kann in Folge dessen nur eingeschränkt für ihre Rechte kämpfen: nur etwa 12% aller Parlamentarier*innen Frauen – in Deutschland sind nur 36,5% der Bundestagsabgeordneten weiblich, was historisch betrachtet schon eine Höchstzahl ist. Das Frauenwahlrecht existiert in Deutschland seit nicht einmal hundert Jahren.

Wer sich diese Zahlen anschaut, dem wird schnell klar: Auch noch heutzutage ist das Thema Feminismus äußerst relevant, die Frau* wird immer noch wirtschaftlich, sozial und politisch diskriminiert und der Kampf um Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorüber.

Auch die rechten Kräfte der Republik wie Pegida, AfD, NPD und andere haben das Thema „Feminismus“ seit Silvester für sich entdeckt und erklären sich nun selbst als Beschützer der Frauen.
Doch wer deren Argumente mal genauer unter die Lupe nimmt, dem wird schnell klar:
Für all die oben aufgeführten Zustände interessieren sich die „anti-sexistischen“ Rassisten nicht.
Nirgendwo wird von Aufhebung ökonomischer Ungleichheit gesprochen, ebenso wenig wie von dem geringen Frauen*anteil in der Politik, einer Senkung des Armutsrisikos oder ungleiche Bezahlung.
Das rechte Spektrum verkennt die Systematik der Unterdrückung der Frau*, von gesamtgesellschaftlicher Ungleichheit spricht dort niemand, denn Frauen*politik ist nur dann für die Rechten interessant, wenn sie für ihre rassistische Hetze instrumentalisiert werden kann.
Empört wird sich nur, wenn der Täter nicht deutsch ist, das Opfer aber schon.

Unser Feminismus sieht anders aus – antirassistisch, trans*inklusiv und international.

Ob in Kurdistan, der Türkei, dem Iran, Saudi-Arabien oder Afghanistan – wir erklären uns mit jeder progressiven Frauen*bewegung solidarisch. Trotz verschiedener Ausgangssituationen und Verhältnissen haben wir alle ein Ziel: die vollendete Befreiung und Ebenbürtigkeit aller unterdrückten Geschlechter, auch nicht binärer sowie z.B. trans* und inter*.
Insbesondere Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde, identifizieren, werden im Patriachat unterdrückt und entrechtet.
Unsere Waffe gegen diese Zustände ist Zusammenhalt und internationaler Widerstand, nicht rassistische Spaltung. Wir werden nicht kampflos das Feld für die Rechten räumen und damit zulassen, dass Feminismus zum Mittel für faschistische Ideologie und rassistische Hetze wird.

Aus dem Grund fordern wir alle Menschen sich dazu auf, sich uns am 12.03.2016 in Köln anzuschließen und gemeinsam und entschlossen mit uns auf die Straße zu gehen –
Setzen wir ein Zeichen für Feminismus und Antirassismus!

Anmerkung: Wir verstehen den Begriff „Frau“ als soziales Konstrukt und nicht als biologische Unveränderlichkeit, was wir auch mit dem Gendersternchen* kennzeichnen wollen.
Feminismus bedeutet für uns die Befreiung und Gleichstellung aller Geschlechter sowie der Kampf gegen binäre und heteronormative Maßstäbe.

Daten: 12.03.16, 13:00, am Dom (Roncalli Platz) in Köln
Hashtag: #koeln1203
Webside: reclaimfeminism.org
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