Hogesa-Comeback? War wohl nix…

Gepostet am 25. Oktober 2015 Allgemein
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Vorabend-Demo

Die meisten Medien schreiben von über 10.000 Gegendemostrant*innen – das ist wohl unterschätzt. Sehr viele Menschen an unterschiedlichen Standorten in der Stadt Köln stellten sich heute, am 25. Oktober, den „Hooligans gegen Salafisten“ entgegen. Dabei waren viele
bürgerliche und linke Bündnisse an den Veranstaltungen beteiligt. Aber wie war’s denn eigentlich?

Wie so oft an Tagen, an denen Nazis es in Köln wieder einmal versuchen, fanden sich die ersten Antifaschist*innen schon um 11 Uhr an den Blockadepunkten und Kundgebungsorten ein. Einige Blockadepunkte, darunter der Barmer Platz, an dem Hogesa ihre Kundgebung abhalten
wollten, konnten gehalten werden – leider nicht lange genug. Letztlich ist es den anreisenden Nazi-Hools Stück für Stück gelungen, unter polizeilichem Geleit ihren Kundgebungsort zu erreichen. Neben Hogesa-Anhängern hatte auch der Düsseldorfer Pegida-Ableger Dügida mobilisiert, dessen Personal entsprechend ebenfalls anreiste. Wie immer mit ein wenig Fremdscham festgestellt werden musste, war auch die Dügida- und Identitären-Gallionsfigur und Chef-Profilneurotikerin Melanie Dittmer anwesend. Diese forderte sogleich in einem Redebeitrag, Angela Merkel zu enthaupten, kurz bevor ein französicher Neonazi, der zur Unterstützung angereist war, auf Französisch zu den deutschen Nazi-Hools sprach. Bei all dieser Komik, die in diesem skurrilen Szenario mitschwingt, darf nicht vergessen werden, dass
Hogesa und Pegida – auch, wenn es sich lediglich um ca. 800 Personen handelte, erfolgreich eine vollständige Kundgebung abhalten konnten. Auch, wenn dieses Jahr weniger Nazis vor Ort waren als letztes Jahr, gibt es feste Organisationsstrukturen innerhalb der neu vernetzten Nazi-Hooligan-Rechtspopulisten-Szene, die dazu in der Lage sind, einen beachtlichen Mob auf die Straße zu bringen.

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Zum Schluss einer Spontandemo am Dom

Die antifaschistischen Strukturen in Köln werden also nach wie vor benötigt, um gegen Naziaufmärsche in jeglicher Weise Widerstand zu leisten. Und an dieser Stelle ist es angebracht, ein Lob an alle Beteiligten auszusprechen. Das Durchhaltevermögen trotz nicht sehr angenehmen Wetters, die Standhaftigkeit gegenüber willkürlicher Polizeigewalt und ein spürbar solidarischer Umgang über persönliche und organisationsbezogene Grenzen hinaus waren großartig. So macht man Antifa!
Ein Wermutstropfen außer der missglückten Blockade war leider, wie auch im vergangenen Jahr, das eskalative Verhalten der Polizei. Willkürliche Angriffe gab es immer wieder, eine ganze mit Demonstrant*innen besetzte Kreuzung wurde Schlagstöcken geräumt, damit ein Wasserwerfer rangieren konnte, und Pfefferspray wurde nach Lust und Laune zur Abschreckung eingesetzt. Sah ziemlich nach Machtdemonstration aus, aber eine tiefergehende Analyse muss an anderer Stelle gemacht werden.
Nichtsdestotrotz waren die beiden Demotage, Samstag und Sonntag, ein Fest für alle antifaschistischen Menschen in Köln und von außerhalb. Diese Stadt hat erneut gezeigt, dass Nazis hier nicht willkommen sind, und dass dies so bleiben wird. Lasst uns so weitermachen und den Kampf gegen Neonazis auf allen Ebene weiterführen! Nazis aus der Stadt jagen, Flüchtende willkommen heißen und die Festung Europa zu Fall bringen