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11. September

Heute jährt sich erneut das schreckliche Ereignis der Anschläge auf das World Trade Center am 11.09.2001. So gut wie jeder Mensch erinnert sich noch an seinen/ihren Aufenthaltsort, als diese von den Vorgängen in New York erfahren hat. Die Medien werden sicherlich wie jedes Jahr sehr ausführlich über diesen historischen Tag und die Bedeutung für die darauffolgenden Jahren berichten. Den sogenannten „Krieg gegen den Terror“, den Krieg in Afghanistan, welcher in Berlin nicht als solcher gewertet wird, der Krieg im Irak, welcher u.a. durch die Anschläge legitimiert wird.

Da war doch was: Der Putsch in Chile 1973
Worüber jedoch nicht berichtet wird, ist der Putsch in Chile, welcher sich ebenfalls heute jährt. Auch nicht über die Bedeutung des Tages innerhalb Chiles, Lateinamerikas sowie des Kalten Krieges im Allgemeinen. Am 11.09.1973 wurde die von der chilenischen Bevölkerung demokratisch gewählte und sozialistische Regierung Salvador Allendes gestürzt. Angeführt von General Augusto Pinochet und logistisch, finanziell sowie politisch unterstützt durch die Regierung der USA. Die Unterstützung der rechten Elemente innerhalb des Militärs sowie der Opposition während wie nach dem Putsch ging jedoch schon eine langjährige Phase der Destabilisierung voraus.

Welche Rolle hatte die CIA?

Die CIA versuchte innerhalb dutzender verdeckter Operationen das Klima vor den Wahlen so zu verändern, dass ein Wahlgewinn der Sozialisten, ähnlich wie in Italien nach dem zweiten Weltkrieg, unmöglich wird. Beispielsweise „im September 1964 [als] Wahlen in Chile stattfanden, hatte Präsident Kennedy zum ersten Mal ein Programm gebilligt, das einen politischen Feldzug zur Abwehr Allendes zum Inhalt hatte. Der zentrale Nachrichtendienst schuf Kanäle, durch die rund drei Millionen Dollar in das politische System Chiles gepumpt wurden. Letztlich lief das auf einen Dollar für jede Stimme hinaus, die für den proamerikanischen Kandidaten der Christdemokraten […] abgegeben wurde (vgl. CIA: Die ganze Geschichte, Tim Weiner)“. Die Recherche des Pulitzer-Preisträgers, welche sich auf eine unglaubliche Fülle aus Dokumenten stützt, spricht eine eindeutige Sprache.
Wie die Destabilisierung Chiles und der Regierung Allendes aussah, als dieser Jahre später gewählt wurde, hat der damalige Botschafter Amerikas in Chile, Edward M. Korry, folgendermaßen ausgedrückt:

„Sobald Allende an der Macht ist, sollten wir alles in unserer Macht stehende tun, um Chile und alle Chilenen zu äußerster Entbehrung und Armut zu verdammen.“

Die Regierung Allendes wurde aufgrund ihrer Agrarreformen (Umverteilung des Ackerlandes an landlose Bäuerinnen und Bauern) sowie der Verstaatlichung der Kupferminen/Banken zunehmend ein Dorn im Auge amerikanischer Konzerninteressen. Diese Kupferminen gehörten zum größten Teil der Familie Edwards, welche nach dem Putsch bei Henry Kissinger, dem Nationalen Sicherheitsberater der USA, „[…] zum Kaffee eingeladen [wurden] (vgl: Weiner)“. Der damalige Direktor der CIA, Helms, traf sich daraufhin mit dem Besitzer der Kupferminen und sprach „[…] über den Zeitplan für einen Militärputsch gegen Allende (vgl. ebd.)“.
Die Ereignisse nach dem Putsch sind gezeichnet von Folterungen, Entführungen/Internierungen und schlussendlich tausendfachen Mordes. Laut Quellen von Amnesty wurden „3.216 […] offiziell als vermisst oder ermordet anerkannt, weitere 38.254 Menschen wurden als ehemalige politische Gefangene und/oder als Opfer von Folter anerkannt“, die Dunkelziffer wird deutlich über diesen Werten liegen, z.B. sprach selbst die amerikanische Botschaft in der Hauptstadt Chiles, Santiago, von ca. 5000 Ermordeten nach dem Putsch. Im Fadenkreuz der Militärjunta Pinochets waren hauptsächlich politisch linksstehende Menschen, GewerkschafterInnen, ParteimitgliederInnen der Unidad Popular sowie kritische Journalisteninnen und Journalisten.

Henry Kissinger als Kopf der Operation

Die Gräueltaten wurden von westlichen Medien ignoriert und die „Befreiung vom Sozialismus“ gefeiert. Der Kopf hinter dem Putsch in Chile war der damalige Nationale Sicherheitsberater der USA, Henry Kissinger, welcher im Anschluss folgendes von sich gab:

„Ich sehe nicht ein, warum wir Nichts tun und zusehen sollten, wie ein Land durch die Unverantwortlichkeit seines eigenen Volkes kommunistisch wird. Die Angelegenheiten sind viel zu wichtig, als dass sie den chilenischen Wählern zur Entscheidung überlassen werden könnten.“

Kissinger, der ebenfalls wie Obama ein Träger des Friedensnobelpreises ist, lässt keinen Zweifel an dem Part der USA.

Was wusste die damalige Bundesregierung? 

Die damalige Bonner Regierung hat den Putsch ebenfalls positiv angenommen und wurde im Voraus über den anstehenden Staatsstreich in Kenntnis gesetzt (zu mindestens wusste der Geheimdienst BND davon → vgl. „Gegen Freund und Feind. Der BND: Geheime Politik und schmutzige Geschäfte“). Grund der Freude war nämlich, dass „Chile […] Kupferlieferant Deutschlands [war], und das Kupfer […] für die Waffenproduktion und damit für die Verteidigung der Bundesrepublik wichtig [sei] (vgl. Friedrich Paul Heller: Pinochet: eine Täterbiografie in Chile)“.

Und weiter zitiert der Autor Friedrich Paul Heller aus einem Brief der deutschen Botschaft an das Auswärtige Amt, dass „sorgfältig geprüft werden [muss], ob im Interesse der Sicherheit des Westens nicht trotz aller Bedenken die Fortdauer der Militärherrschaft der Errichtung einer kommunistischen Diktatur vorzuziehen ist (vgl. ebd.)“.

Sicherheit bedeutet in diesem Zusammenhang die Durchsetzung von u.a. Kapitalinteressen sowie den langfristigen Zugriff auf die Kupfervorkommen Chiles und Opfer sind innerhalb dieser Gleichung auszuklammernde Faktoren, welche nicht ins Gewicht fallen.